Amazonen und der unglaubliche Heinz

NRZ (Neue Rhein Zeitung) und RP (Rheinische Post) / 06.02.2017 / Bettina Schack

Voerde: Amazonen und der "Unglaubliche Heinz"

Die Kleinsten des Voerder Karnevalsvereins, die Sunnies, hatten einen großen Auftritt. (Foto: Heiko Kempken)
 
 
Voerde. Der Schwerpunkt des großen Bühnenprogramms der Prunksitzung des Voerder Karnevalsvereins (VKV) in der Aula des Schulzetrums Nord: Feiern. Und das kam beim jecken Publikum bestens an.
 

"Dat Trömmelsche geht: Voerde Helau". Mit dem Tambourkorps Voerde zogen der Elferrat und die Kleinsten des Voerder Karnevalsverein, die Sunnies, in die Aula des Schulzentrums Nord ein. Hier war bereits alles jeck: Die Bühnen- und Saaldeko mit ihren Luftballons und Luftschlangen, vor allem aber die 400 Närrinnen und Narrhalesen im Saal, die sich entweder mit den Kappen ihrer eigenen Karnevalsvereine oder bunt und fantasievoll kostümiert eingefunden hatten.

 

Und da die Honoratioren, wie Bauchredner Marcus Magnus in Bezug auf den Elferrat erwähnte, einer Prunksitzung noch zusätzlichen Glanz verleihen, begrüßte Sitzungspräsident Stefan Schmitz nicht nur die amtierenden Tollitäten von Dinslaken bis Spellen, sondern auch die Vertreter aus Politik und den Verein unterstützender Wirtschaft. Der Bundestagsabgeordnete Hans-Ulrich Krüger, sein Landtagsgenosse Norbert Meesters sowie Bürgermeister Dirk Haarmann und sein Vorgänger Leonhard Spitzer: Alle waren da, um mit dem VKV zu feiern.

 

Und es wurde gefeiert: Darauf war das Programm in diesem Jahr ganz besonders ausgerichtet. Mit Dirk Elfgen und den Oedingsche Jonges standen ab Viertel nach Zehn nur noch Stimmungsacts auf der Bühne, die den Jecken im Saal Party ohne Ende bereiteten. Schon "Hans Hossa" hatte zuvor im blauen Samtanzug und mit wilder Perücke mit seinen 70er-Jahre-Schlagern von der "Fiesta Mexicana" bis "Tanze Samba mit mir" und diversen Udo-Jürgens-Hits für erste Schunkelrunden und Polonaisen im Saal gesorgt. Auch wenn der "griechische Wein" nur besungen wurde, es war ein ausgelassen feuchtfröhlicher Abend.

 

Den Ehrensenator der Session 2016/17 gibt es gleich 120-fach. So viele Mitglieder hat nämlich die DRK Bereitschaft Voerde. Stellvertretend für sie stehen Werner und Lisa Hülser sowie Mike Heymann als Ehrensenator-Trio im Rampenlicht.

 

Alle Scheinwerfer waren bei der Prunksitzung auch auf die Sunnies gerichtet. Zwischen sechs und elf Jahre sind die Mädchen alt, die die jüngsten aktiven Karnevalistinnen des Vereins sind. In Cheerleader-Kostümen mit dicken Plömmeln in den Händen präsentierten sie, von Trainerin Tanja Kolbe vom Platz vor der Bühne aus unterstützt, einen abwechslungsreichen Formationstanz und wurden dafür wohlverdient vom Publikum mit der ersten Rakete des Abends belohnt.

 

Wie gekonnt der karnevalistische Showtanz sich inzwischen hin zum professionellen Video-Tanz hin entwickelt hat, stellten die Tänzerinnen von "Deja-vu" mit der "We sind wer dor" - Prinzessin Anja I. Kebaier unter Beweis. Als griechisch-römische Amazonen überzeugten sie mit und ohne Speere in den Händen.

 

Die Aufmerksamkeit eines feiernden Prunksitzungspublikums durch Wortbeiträge zu erlangen, ist immer eine besondere Herausforderung. Marcus Magnus, Bauchredner des Jahres 2015 trat mit seinem "sprechenden Vogel Charlie" in einer typischen, frechen und doppeldeutigen Puppenshow an.

 

Mit einem raffinierten Kunstgriff überzeugte Heinz Gröning, nicht von ungefähr der "Unglaubliche Heinz" genannt. Der vom WDR bekannte Comedian aus Dortmund kombinierte Mitsing-Refrains zur Gitarre mit kurzen, griffigen Pointen statt der Strophen. Das saß, das passte, das war cool und machte einfach Spaß. Heinz rockte. Sein "helau-helau-helau" hatte einen Touch von Nirvana. "Wenn Ihr Spaß habt, teilt das Eurem Gesicht mit: Lächelt", rief er in den Saal.

 

Das war am Samstag die leichteste Übung.

Dinslaken. Der Voerder Karnevalsverein (VKV) hatte zum närrischen Abend in die Mehrzweckhalle des Bürger-Schützen-Vereins Friedrichsfeld eingeladen und ein buntes Programm organisiert

Der Puppenspieler mit dem verlängerten Oberkörper, auf dem ein Puppenkopf thront, stürmt fast auf die Bühne. An den Marionettenfäden hält er die Gestalten eines älteren Paares in der Hand. Zu langsamer Musik lässt er die halb lebensgroßen Puppen tanzen. Dann legt er die Fäden aus der Hand und als plötzlich Rockmusik ertönt, entwickeln die scheinbaren Marionetten ein Eigenleben – und wirbeln nun von selbst über die Bühne. Der Puppenspieler scheint irritiert und versucht das tanzwütige Paar zu stoppen. Erst packt er dazu eine Schrotflinte aus und schießt Luftschlangen ins Publikum.Dann rennt er mit einer Kettensäge über die Bühne, strauchelt, stolpert hinter ein Podest und sägt sich scheinbar selbst den Kopf ab. Kurz darauf hüpft er – nun mit „Kiss“-Gesichtsbemalung und funkensprühender E-Gitarre in der Hand – auf das Podest und rockt gemeinsam mit seinen Schützlingen.

Voerde: VKV lässt zur Prunksitzung die Puppen tanzen - | NRZ.de - Lesen Sie mehr auf:
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