Narren singen und schunkeln auch bei Regen

RP / 27.02.2017 / Florian Langhoff

Neben den Karnevalsgesellschaften waren auch Vereine wie der SV 08/29 Friedrichsfeld mit eigenen Wagen oder Fußgruppen beim Zug vertreten. Foto: Peggy Mendel
 
Voerde. Das schlechte Wetter konnte den Jecken, die den Voerder Karnevalszug besuchten, die Feierstimmung nicht vermiesen.
 

Schon eine halbe Stunde vor dem offiziellen Beginn des Karnevalszuges um 11.11 Uhr sind die Jecken auf dem Elferratswagen des Voerder Karnevalsvereins (VKV) in bester Karnevalsstimmung. Aus den Lautsprechern auf dem Wagen tönt Partymusik, dazu laufen die letzten Vorbereitungen für den Zug: Die Jecken öffnen Kartons mit Schokoriegeln, Bonbons, Chipstüten und anderen Leckereien und bereiten diese für den Abwurf in Richtung des närrischen Volks entlang der Zug-strecke vor. Mit einem Miniatur-Megaphon sorgt Holger Mrosek vom VKV-Elferrat für Stimmung auf dem Wagen.

 

Es bleibt noch etwas Zeit für Blicke vom Elferratswagen. Die gehen, mit leichten Sorgen, in Richtung Himmel. Denn es sieht eher nach einer gewöhnlichen Abkühlung von oben aus, denn nach Kamelleregen. Doch da trotz der grauen Wolken noch immer verkleidete Besucher in Richtung der Zugstrecke strömen, tut das der guten Stimmung auf dem Wagen keinen Abbruch. Einige Gäste des Zuges grüßen mit einem "Helau!" den Elferrat und werden schon mit den ersten Kamelle belohnt.

 

Punkt 11.11 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung und wird von den Jecken an der Bahnhofstraße direkt mit freudigen "Helau!"-Rufen in Empfang genommen. Kamelle regnen in hohem Bogen auf die Zuggäste herab, und vor allem die Kinder machen sich daran, die bunte Farbenpracht aus Leckereien aufzufangen oder vom Boden aufzusammeln. Entlang der Zugstrecke sieht man dabei eine bunte Mixtur aus Zuggästen.

 

Während sich die einen komplett kostümiert haben, wie etwa als Bösewicht Darth Vader aus den "Star Wars"-Filmen, haben andere närrische Kopfbedeckungen auf, tragen aber ansonsten Alltagskleidung, vermutlich, um sich vor dem Regen zu schützen. Einige Karnevalisten haben hier vorgesorgt und tragen Regenponchos über ihren Kostümen oder halten Regenschirme in der Hand. Der Stimmung an der Strecke tut der meist auf Nieselregen beschränkte Niederschlag derweil keinen Abbruch. Die Jecken feiern und tanzen zum Rhythmus der Musik und versuchen mit lauten "Helau"-Rufen die Mitfahrer auf den Zugwagen zum Werfen von Süßigkeiten zu bewegen.

 

Dabei tummeln sich an der Zug-strecke allerlei ungewöhnliche Gestalten. Die kleinsten von ihnen sind meist in plüschige Tierkostüme gehüllt und stellen Tiger, Löwen oder Fantasiewesen wie Drachen und Einhörner dar. Ganze Familien von Enten und Giraffen finden sich am Straßenrand. Sogar Rotkäppchen und der böse Wolf stehen in trauter Zweisamkeit nebeneinander und feiern das Vorbeiziehen der Wagen auf der Zugstrecke. Und die ist dem Augenschein nach ziemlich sicher.

 

Denn neben den gut 150 Sicherheitsleuten, die sich um die Wagen und an der Strecke darum kümmern, dass alles nach Plan läuft, sind Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Rotem Kreuz an der Zugstrecke unterwegs. Die wurde teilweise mit großen Containern und Lkws zusätzlich abgesichert. Zudem patrouillieren ganze Gruppen von Superhelden neben dem Zug. Da kann ja eigentlich nichts mehr schiefgehen.

 

Ein ungewohntes Bild bietet sich den Mitfahrern auf dem Elferratswagen am Rathausplatz. Wo sonst scharenweise rufende Jecken stehen, herrscht aufgrund der Baustelle beim Zug eine ziemliche Leere. Doch dann stehen auch schon wieder Narren rechts und links der Zugstrecke und es geht wieder ans Verteilen der Kamelle.

 

Die finden besonders rund um den Kreisverkehr am Parkdeck in der Innenstadt viele Abnehmer. Denn dort steht ein Gros der Zugbesucher auf relativ engem Raum und wartet auf die Süßigkeiten. Und bekommt diese auch serviert. Wie auch die Jecken, die sich entlang der weiteren Zugstrecke tummeln, die unter der Bahnunterführung hindurch führt.

 

Hier erwarten Dinosaurier, mannshohe Bananen und sogar weibliche Teufel den Zug der Voerder Karnevalisten. Mittlerweile hat sich der Regen etwas verzogen. Die Jecken an der Zugstrecke drehen die nicht mehr benötigten Regenschirme um, um mit diesen Süßigkeiten aufzufangen.

 

Am Endpunkt des Zuges, dem Kreisverkehr an der ehemaligen Pestalozzischule, bringt Zugleiter Stefan Schmitz die 30 teilnehmenden Wagen und Fußgruppen auf den richtigen Kurs. "Bisher ist alles sehr gut gelaufen, es gab keine besonderen Vorkommnisse auf der Strecke", sagt er, kurz bevor die letzten Zuggruppen ins Ziel kommen. Den närrischen Umzug durch die Innenstadt schätzt er, trotz des Regenwetters, als noch ganz gut besucht ein. "Ich denke, es werden um die 25.000 Leute an der Strecke unterwegs gewesen sein", sagt Stefan Schmitz.

20.000 Menschen feierten Tulpensonntagszug in Voerde

NRZ / 27.02.2017 / Alexander Florié-Albrecht

Foto: Markus Joosten

Beim Karneval in Voerde tanzten die Menschen auf den Straßen

 

 

 

Voerde.  Im Nieselregen säumten weniger Narren als sonst den Zugweg. Die Strecke war durch Lkw und Polizei gesichert. Die Beamten hatten gut zu tun.

 

Schon früh am Morgen waren die ersten Jecken mit den Vorbereitungen für den Zug unterwegs, fuhren die ersten Motivwagen zum Abfahrtspunkt Frankfurter Straße und Allee. „Wir haben 20 000 Tüten Popcorn, 20 Kilo Bonbons, Bälle, Stofftiere, Kartenspiele“, machte Sandra Weide von „De walking Jeck“ die Dimension des Materialgebrauchs deutlich. Parallel dazu stimmte sich die lokale Prominenz mit dem Voerder Tambourcorps, dem Voerder Karnevalsverein (VKV), den Ehrensenatoren und den befreundeten Karnevalsvereinen beim Sektempfang in der Gaststätte „Zur Kutsche“ auf den Tag ein. „Wir können uns auf einen schönen Zug freuen, der Himmel ist gerade aufgerissen“, prognostizierte Bürgermeister Dirk Haarmann im Nieselgrau – nur fast zutreffend.

 

Den Hingucker des Tages präsentierten als Zugspitze auf dem ersten Wagen die beiden „Paradiesvögel“ Elli Dickmann und Elke Bur vom VKV mit ihren überdimensionalen Schwingen. „Wir haben das letztes Jahr beim Karneval in Notting Hill gesehen“, erläuterte Dickmann den Ursprung der Idee für das besondere Outfit .

 

Pinguine bedachten Gänseblümchen

 

Einen positiven Impuls setzte das erste Dinslakener Narrenkomitee mit der Übergabe zweier Reisegutscheine im Wert von 250 Euro für den „Gänseblümchen“-Verein, der sich mit betroffenen Kindern und deren Eltern später am Zug beteiligte. „Wir wollten an die Kinder denken, die nicht soviel zu lachen haben“, meinte „Pinguin“ Heino Fahnenbruck zu der Spende.

 

Pünktlich um 11.11 Uhr setzte sich der karnevalistische Lindwurm mit 31 Zuggruppen von Haus Voerde aus über die Frankfurter Straße, Bahnhofstraße Richtung Im Osterfeld und Teichacker bis zur Friedrichsfelder- und Steinstraße bis zum Ende an Bahnhof- und Ringstraße in Bewegung.

 

Bunte Farbtupfer und beißende Kritik aus Hünxe

 

Auch rund 40 Betreuer und Betreute der Dinslakener „Lebenshilfe“ stürzten sich mit Freude ins Getümmel. Sie gingen als „Schlümpfe“, „weil das mit dem Lebenshilfe-Blau so gut kombinierbar ist“, meinte die Vorstandsvorsitzende Margot Stieler.

 

Die „Lebenshilfe-Schlümpfe“ waren aber nur einer von zahlreichen Farbtupfern auf der Strecke - so wie die „perücken-grünen“ Zumbatänzerinnen des SV 08/29 Friedrichsfeld, die international-bunte Kostümpracht des KG Rot-Weiß Dinslaken Altstadt nach dem Motto „Karneval rund um die Welt - Feiern wie es uns gefällt“ oder die „Sunnies“-Tanzgruppe des VKV mit „Zwergenaufstands“-Logo.

 

Die Wagen boten lokale Motive und bissige Kritik - wie der Wagen der 1. KG Jeck in Hünxe. „In Hünxe gehen die Kneipen ein - am Tresen werden wir die Letzten sein“, mahnte ein „toter“ Wirt am Wagen die Narrenschar. “Da muss was passieren“, konstatierte Obermöhne Andrea Wefelnberg.

 

Mehr als sonst passierte in Voerde hinsichtlich der Sicherheit. An der Ecke Frankfurter Straße/Bahnhofstraße versperrte ein Lkw die Zufahrt. „Was soll die Spaßbremse da ?“, fragte sich Hans-Georg Schneider. „Sicherheit ist okay, aber beim nächsten Mal sollte man sie schmücken“, schmunzelte der Götterswickerhammer Erwald Isenberg.

 

Später standen Lastwagen-Sperren in der Bahnhofstraße und der Dinslakener Straße/Steinstraße und am Ende der Zugstrecke. Die Löhnerin Anni Neuland hatte sogar einen Polizisten mit Maschinengewehr gesichtet. „Wie sich das verändert hat, dass das überhaupt muss“, überlegte sie.

 

Sogar aus München kam ein Besucher

 

Ansonsten herrschte fröhlicher Unernst, Partylaune an der Straße und emsiges Bonbon- und Süßigkeitensammeln der auffällig vielen Familien mit Kindern. „Ich war selbst als Kind schon hier, es ist das Familiäre“ lobte die Stockumerin Nadine Mertens, die mit Kindern, Mann und Nachbarschaft gekommen war. „Echt geil, bei uns ist nur Fasching“, ließ sich der Münchener Oliver Spärlich von seiner aus Voerder stammenden Frau Alina mal zeigen, „wie Karneval in meiner Heimat geht.“

 

Nach etwas mehr als zwei Stunden endete der Zug -- was aber nicht das Ende der Sause bedeutete. Sogar tanzende Bürgermeister sollen noch gesichtet worden sein. Und der VKV-Vorsitzende Mark Sarres freute sich, „dass wir wieder so viele Menschen glücklich machen konnten.“ 20 000 waren es, zählte die Polizei. 5000 weniger als 2016 – und gerade einmal halb so viele wie 2015.

 

Polizei sprach 46 Platzverweise aus

 

Die Polizei steckte sieben Personen zur Ausnüchterung in Gewahrsam und nahm sechs weitere Personen vorläufig fest. Die Beamten sprachen 46 Platzverweise aus, fertigten 14 Strafanzeigen, davon sieben wegen Körperverletzungsdelikten und drei aufgrund von Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

 

Außerdem nahmen die Beamten mehrere Tatverdächtige fest, die auf einem Parkdeck an der Friedrichsfelder Straße Blumenkübel umgeworfen hatten. Die Heranwachsenden erwartet jetzt ein Strafverfahren.


Mehr Bilder vom Zug stehen unter http://www.nrz.de/staedte/dinslaken-huenxe-voerde/karneval-id209742981.html

Voerde. Nur 25 000 Jecke kamen zum Voerder Tulpensonntagszug. Zum Glück blieb aber auch der Regen fern. Polizeikräfte sahen eine weitgehend friedliche Veranstaltung.

Bedenkt man, dass der Voerder Karnevalszug 2016 noch vor wenigen Monaten abgeblasen werden sollte, können sich heute die Beteiligten, allen voran der 1. Voerder Karnevalsverein (VKV), auf die Schulter klopfen. Und selbst der für gestern angedrohte Regen fiel aus. Laut Polizei besuchten allerdings nur etwa 25 000 Zuschauer den Tulpensonntagszug in Voerde, feierten dafür aber ausgelassen und weitgehend friedlich. 2015 hatten die Ordnungskräfte noch rund 40 000 Narren gezählt.

Auch wenn nicht ganz so viele Jecken den Weg nach Voerde fanden, waren die Straßen entlang der Fahrtroute von Minions-Familien, Piraten, Häschen und allerhand Fantasiegestalten gesäumt. Alexander Tobolik alias Elvis Presley, der seit 9 Uhr morgens mit Freunden an der Steinstraße ausharrte, erklärte, worum es beim närrischen Treiben am Tulpensonntag geht: „Das, was den Voerder Karneval ausmacht, ist die Gemeinschaft, verkleidet zu sein und Spaß zu haben.“ Er machte aber auch deutlich, dass der Karnevalszug einfach zu Voerde gehört: „Die Tradition des Voerder Karnevals muss beibehalten und weitergelebt werden.“ Der närrische Lindwurm ließ indes etwas auf sich warten und verschlief den Start um 11.11 Uhr. Allzu lange mussten die Karnevalisten dann aber nicht auf den Kamelle- und Konfettiregen vertröstet werden. Angeführt vom Elferrat des VKV rollte der Zug von der Bahnhofstraße Richtung Innenstadt. Am Rathaus entlang ging es über die Friedrichsfelder Straße ins Epizentrum der Narretei.

Die Self-Made-Karnevalisten der KG Rot-Gold Dinslakener Altstadt mit spanisch-andalusischem Anstrich, die fleißigen Narren vom HCC, die Blau-weißen in der rollenden Dinslakener Burg oder der 1. KV Jeck in Hünx’ und über 30 weitere Gruppen - sie alle ließen den Tulpensonntag nicht nur für Kinder zum Höhepunkt der Karnevalszeit werden. Den Abschluss des Zuges bildete der Senatoren-Wagen, von dem aus die Bürgermeister Dirk Haarmann und Michael Heidinger das Volk mit Kamelle versorgten.

An der Bahnhofstraße, wo es im Vergleich zum Kreisverkehr an der Friedrichsfelder Straße ruhig zuging, hatten sich die Charaktere der Sesamstraße zu einem Umtrunk zusammengefunden. Samson, der eigentlich Florian Römer heißt, klärte die Zusammenkunft der Kinderseriencharaktere sogleich auf: „Wir kommen aus Voerde, sind inzwischen aber weggezogen und kommen einmal im Jahr an Karneval zusammen.“

In den vergangenen Jahren haben sich die Freunde schon als Charaktere der Rocky Horror Picture Show, als graue Herren aus dem Buch „Momo“ und als Piraten in ihrer Heimatstadt eingefunden. „Wir sind jedes Jahr begeistert dabei.“

Nachdem der närrische Lindwurm an der Ringstraße sein diesjähriges Ende fand, ging das bunte Treiben der Jecken in den Straßenkarneval über. Dabei wurde noch bis in den Abend hinein die fünfte Jahreszeit gefeiert, und dass Voerde auch 2016 wieder einen eigenen Karnevalszug hatte.
22 Platzverweise und 18 Strafanzeigen

Die Polizei musste 23 Personen zur Ausnüchterung in Gewahrsam nehmen, eine Person festnehmen, 22 Platzverweise aussprechen. Es gab 18 Strafanzeigen wegen Körperverletzung, Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie wegen Diebstahls und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.

Weniger Narren, tolle Stimmung | NRZ.de - Lesen Sie mehr auf:
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"Ich bin doch nicht jeck"

Lokalkompass Dinslaken / 01.03.2017 / Dunja Vogel

 
Tulpensonntag, mein Wecker reißt mich früher als sonst aus dem Schlaf. Neben meinem ersten Kaffee erwartet mich in diesem Jahr auch eine Maskerade aus grüner Perücke und schwarzer Kleidung, mit der ich normalerweise "nicht mal den Müll rausbringen würde", wie man so schön sagt - Ich bin da halt irgendwie reingerutscht, in die verrückte Truppe von etwa 50 netten Menschen, die mit Wagen und dazugehöriger Fußtruppe auf Voerdes Straßen zu Grönemeyers „Mambo“ tanzt, um die vielen Zuschauer des Karnevalszugs zu unterhalten. Natürlich mit der dazu passend ausgefeilten Choreografie, versteht sich. "Ganz oder gar nicht" ist hier die Devise. Immerhin präsentiert man die Fitness Abteilung des SV 08/29 Friedrichsfeld. Auf Grund meiner geringen Anwesenheit bei den Proben, stelle ich, was mich betrifft, das imaginäre Bild in meinem Kopf bereits im Vorfeld aus. Die Aufregung in der gegründeten WhatsApp-Gruppe „Helau“ steigt stetig. Bei mir rührt sich nix. Ich bin im falschen Film, daran liegt es wohl. 11.11 Uhr, los geht's… Bevor wir in die Menschenmasse eintauchen wird noch kollektiv der Bürgermeister gebützt. Mit dem Beat im Knie starten wir unsere erste Choreografie… Strahlende Kindergesichter, Kamelle mit vollen Händen werfen, auch bei mir steigt die Stimmung stetig. Am Ende des Zuges angekommen möchte man gar nicht mehr aufhören. Ein Blick auf den Fitnesstracker verrät: 20,07 Kilometer in Schritten gemessen, 2.239 verbrannte Kalorien, Zuschauerresonanz durchweg positiv. Auch wenn heute an Aschermittwoch „alles vorbei“ ist, nach dem Zug ist vor dem Zug.